From Tears to Ideas

Ausstellung, Workshop, Vorträge und Künstlergespräche.
Centrul Artelor Vizuale Multimedia, Bukarest.
November 2021
Kuratorin: Daria Nedelcu

Kann Trauer ein zentraler Teil der dringend nötigen Vertiefung unserer ethischen und politischen Beziehung zum gegenwärtigen anthropogenen Massensterben und der derzeitigen Pandemie sein?


From tears to ideas* ist ein Gruppenforschungsprojekt, das Christa Wall, Klang- und Performance-Künstlerin, und Andreea Vlăduț, Klangkünstlerin, zusammenbringt. Ihre Forschung konzentriert sich auf professionelle Klageweiber in Rumänien und bringt die Rolle der Frauen als Moirologinnen in unterschiedlichen sozialen und politischen Kontexten im Laufe der Geschichte in den Vordergrund. Herzstück der Forschungstätigkeit ist die Biografie der Großmutter von Andreea Vlăduț, ein professionelles Klageweib. Das Werk enthüllt die patriarchalischen Sozialkodizes, die die Trauerpraxis umschließen, und schlägt eine befähigende feministische Aneignung des Trauerrituals vor.

In der heutigen Situation sind Trauer, sowie das Begreifen der Bedeutung und der therapeutischen Kraft der Trauer, unerlässlich, um den Verlust zu verkraften. Das Trauerritual ist das, was wir brauchen, um die Gefühle, die infolge der gegenwärtigen Situation entstanden sind, zu reflektieren und zu akzeptieren und um die sterile Sicht auf den Tod hinter uns zu lassen.

*From tears to ideas – Wörter geschrieben von Steven Feld in Sound and Sentiment: Birds, Weeping, Poetics and Song in Kululi Expression. Er bezieht sich darauf, dass Frauen in der Lage sind, Weinen in kontrollierte Klage umzuwandeln: ‘from tears to ideas’

Christa Wall ist eine österreichische Künstlerin, die in Wien lebt.
Sie studierte Experimentelle Kunst an der Kunstuniversität Linz und an der Ecole Nationale Superieure des Beaux Arts in Lyon im Rahmen eines Erasmus-Stipendienaustauschprogramms.
Christa Wall erstastet mit ihren Fühlern die Räume zwischen Performance und Gesang, zwischen Ritual und Aktivismus, zwischen Volkskultur und Queerness. Ihre Werke bestehen aus performativer Forschung, indem sie ihre Stimme, ihren Klang, ihr verkörpertes Wissen, ihre Poesie und ihre Videos fürs aquatische Geschichtenerzählen verwendet.
Im Rahmen ihrer künstlerischen Forschung schafft sie Erzählungen durch Klanglandschaften, Ton, Video und Choreografie, die Orte kollektiver Fabulationspraktiken eröffnen. Christa setzt Volksbräuche mit Queerness in Beziehung und setzt sie einem angenehmen Transformationsprozess aus, bis neue performative Rituale entstehen.

Andreea Vlăduț
www.andreeavladut.com


Partner:

Centrul Artelor Vizuale Multimedia
(Förderung Stipendium) Kunstuniversität Linz, Austria

Oana Cristea-Grigorescu Kritikerin der darstellenden Künste, Kulturmanagerin, Journalistin bei Radio România Jurymitglied

"Im Kontext der Pandemie, mit der die Menschheit zurzeit konfrontiert ist, bietet uns die Rückkehr zu den Übergangsriten nicht nur die Möglichkeit, Traditionen wiederzufinden, sondern auch unsere Beziehung zum Tod und der Endlichkeit der Existenz neu zu lesen. Die traditionellen Gesellschaften verwerten diese Lebensphilosophie und die Dokumentation der Wehklage als Form der Entladung extremer Gefühle wird zu einer kollektiven Unterstützung im Umgang mit diesen unsicheren und bedrohenden Zeiten."

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